Gute Traditionen im Einsatz wie in der wissenschaftlichen Arbeit für Karl May gehen auf drei große Hohenstein-Ernstthaler Forscher zurück.
Der Hohenstein-Ernstthaler Lehrer, Stadtbibliothekar und Heimatforscher Hans Zesewitz (1888-1976) erkundete in den zwanziger Jahren den Standort und viele Einzelheiten aus der über 300jährigen Geschichte von Mays Geburtshaus wie auch zu etlichen Vorfahren Karl Mays: Er gilt als Begründer der Karl May-Forschung.
Daran knüpfte Dr. Karl Streller (1908-1981) an, als er die bis weit in die Vergangenheit zurückreichenden "Genealogischen Tafeln der Vorfahren Karl Mays" recherchierte. Adolf Stärz (1921-1987) engagierte sich unermüdlich für den Schriftsteller, der in der DDR bis Ende 1982 als Unperson galt; außerdem entdeckte er die sogenannte "Akte Stollberg" zu einem dunklen Ereignis in Mays Leben von 1879.
An diese Tradition knüpft der Wissenschaftliche Beirat Karl-May-Haus an, der sich am 10. Oktober 1987 konstituierte. Es ist ein ehrenamtliches Gremium, das die museale Gedenkstätte beim Gestalten der Ausstellung, bei Publikationen, beim Beantworten von Anfragen aus Fach- und Fankreisen und bei anderen Problemen unterstützt. Weithin sichtbar wurde dieses Wirken durch zahlreiche Sonderausstellungen, die der Beirat vorbereitete, so zu den Themen "100 Jahre Winnetou" (1993), "Karl Mays Orient" (1994), "Karl May im Spiegel der Briefmarke" (1996), "Karl May in der DDR" (2002) oder "90 Jahre Karl-May-Verlag" (2003).
Seit 1989 gibt der Wissenschaftliche Beirat die Schriftreihe "Karl-May-Haus Information" heraus. Der Wissenschaftliche Beirat orientiert dabei vorrangig auf die Publikation neuer Dokumente und anderer Funde zur Lebensgeschichte und zum Werk Karl Mays einschließlich damit zusammenhängender lokal- und regionalgeschichtlicher Neuigkeiten.
Zahlreiche biografische Erkenntnisse, die in den jüngsten Jahren von Beiratsmitgliedern gewonnen und in den Heften der "Karl-May-Haus Information" vorgestellt wurden, sind in die neue Karl-May-Biografie "Winnetous Blutsbruder" von Christian Heermann (Karl-May-Verlag, Bamberg-Radebeul 2002) eingeflossen. In sinnfälliger Weise wurde deshalb der Festakt zum 15jährigen Bestehen des Wissenschaftlichen Beirates mit der Buchpremiere von "Winnetous Blutsbruder" verbunden.
Buchprojekte, an denen alle Beiratsmitglieder mehr oder minder ihre Aktien haben, wurden überdies schon mehrfach präsentiert. So 1995 mit dem "Begleitbuch zu den Ausstellungen". Oder 1999 mit dem Titel "Karl May auf sächsischen Pfaden (Hg. Christian Heermann), der im Karl-May-Verlag Bamberg-Radebeul schon in 3. Auflage erschien. Schließlich 2001 im Eigenverlag des Karl-May-Hauses die Dokumentation "Karl May in der Hohenstein-Ernstthaler Lokalpresse 1899 - 1912" (Hg. Hans-Dieter Steinmetz).
Die meisten Beiratsmitglieder können über das Gesagte hinaus eine beachtliche Bilanz eigener Veröffentlichungen - Bücher und Einzelbeiträge - vorweisen. So gehören zum umfangreichen Werk von Hainer Plaul die kommentierte Ausgabe von Mays Selbstbiografie "Mein Leben und Streben" (1975, 1982) und das Standardwerk "Illustrierte Karl-May-Bibliographie" (1988/89). Als Gemeinschaftswerk mit Gerhard Klußmeier entstand "Der große Karl May Bildband" (mehrere Auflagen seit 1978).
Klußmeier besorgte 1988/89 den Reprint der frühesten Druckfassung von Mays "Waldröschen". Hans-Dieter Steinmetz ist Herausgeber der Dokumentation "Leben im Schatten des Lichts. Marie Hannes und Karl May" (1997, zusammen mit Dieter Sudhoff) und der Esperanto-Übersetzung "Liberigo - Eine Befreiung" (1999). Wolfgang Hallmann publizierte mehrere Bildbände zu Hohenstein-Emstthal und zusammen mit Christian Heermann die "Reisen zu Karl May" (1992). Der Name Heermann - als Autor oder Herausgeber - steht auf 10 Buchtiteln zu May; dazu zählen "Karl May, der Alte Dessauer und eine 'alte Dessauerin'" (1990) und "Old Shatterhand ritt nicht im Auftrag der Arbeiterklasse" (1995). Wesselin Radkov übersetzte an die 30 Karl-May-Bücher ins Bulgarische. Alle Beiratsmitglieder haben Beiträge in einschlägigen Fachpublikationen, Zeitschriften oder Zeitungen veröffentlicht und sind für Funk und Fernsehen wirksam geworden.
Gemeinsam mit der Karl-May-Gesellschaft wurde 1992 zum 150. Geburtstag Mays ein Wissenschaftliches Symposium in Hohenstein-Ernstthal durchgeführt. 1999 fand der 15. Kongress dieser Gesellschaft in Mays Geburtsstadt statt.
Dem Wissenschaftlichen Beirat gehören Frau Jenny Florstedt (Leipzig) und Frau Kerstin Orantek (Chemnitz) sowie die Herren Andreas Barth (Kuhschnappel), Wolfgang Hallmann (Hohenstein-Ernstthal), Manfred Hecker (Taura), Christian Heermann (Vorsitzender, Leipzig), Gerhard Klußmeier (Rosengarten), André Neubert (Hohenstein-Ernstthal), Hainer Plaul (Lommatzsch), Jens Pompe (Reinholdshain), Hartmut Schmidt (Berlin) sowie Hans-Dieter Steinmetz (Dresden) und als ausländische Korrespondierende Mitglieder Frau Dr. Meredith McClain, Associate Professor an der Texas Tech University (Lubbock, USA) und Herr Wesselin Radkov (Sofia, Bulgarien) an.